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Mittwoch, 3. Februar 2010
Weise.
Schon drei oder vier mal bin ich in diese Treibschneeloch getreten. Diese Pfütze auf dem Weg zur Bushaltestelle, die etwa 10cm tief ist und so von einer Eisbrockenschneeschicht überdeckt ist, dass man annimmt es wäre einfach nur Schneematsch auf der Strasse.
Leider vergesse ich das Treibschneeloch immer wieder. Heute morgen machte ich mich auf zur Uni, sah eine alte Dame vor mir laufen. Diese blieb plötzlich stehen und schaute auf den Boden. Ungefähr fünf Sekunden harrte sie mit schiefgelegtem Kopf aus, ging dann einen Schritt zurück und machte einen Bogen. Sie hatte das Treibschneeloch entdeckt. Anders als ich hat sie anscheinend auch Augen für Details im Bodenuntergrund. Link - 0 Kommentare - Kommentieren Mittwoch, 13. Januar 2010
Ich WUSSTE es!
DocDee - 13.01.10, 15:42h - die sache mit den messern
Aiman Abdallah ist aus dem Urlaub zurück. Und er hat eine große Neuigkeit mitgebracht:
Das schönste Küchenmesser der Welt. Link - 0 Kommentare - Kommentieren Donnerstag, 7. Januar 2010
Angst hatte ich,
DocDee - 07.01.10, 19:17h - die sache mit den messern
wo denn Aiman Abdallah blieb in den letzten Tagen. Ich stellte schon die Vermutung auf, dass er sich wahrscheinlich auf einer Weltreise befindet, um endlich mal neue Teilnehmer im Dauercontest "Das schärfste/teuerste/beste Messer der Welt" zu suchen.
Gerade werde ich beruhigt. Man sucht mal wieder das teuerste Messer der Welt, diesmal aber nicht das Nesmuksmesser, sondern eins aus Damaststahl. Link - 0 Kommentare - Kommentieren Sonntag, 20. Dezember 2009
Ich war einmal ein Outlaw und konnte mit meinem Taschenmesser Schollen fangen.
Gestern Nacht träumte ich, dass ich mich aus einem mir unbekannten Grunde vor der Gesellschaft verstecken musste. Nachdem ich anscheinend eine lange Flucht hinter mir hatte, strandete ich irgendwo in einer künstlichen Gewässerlandschaft. Diese war eigentlich aufgebaut wie eine nette ostfriesische Wallheckenlandschaft, nur dass keine Felder, sondern Seen zwischen den Hecken lagen. Es war zwar warm und ich hatte Bock auf Schwimmen, aber dieser Fluchtzustand hat mich schon ein bisschen genervt (Zumal ich mich wage daran erinnere, dass ich im vorherigen Teil des Traumes schon durch zwar spektakuläre, aber ähnlich anstrengende Landstriche irrte und merkwürdige Dinge erlebte).
Zwischendrin war eine Straße, auf deren anderer Seite ein Fehnkanal entlanglief. Auf dieser Strasse befand ich mich nun und traf ein paar Jungs, die außer ein bisschen an den Wallheckenseen rumhängen nichts weiter zu tun hatten. Sie sagten mir, dass sie auf irgendeiner anderen Seite ein Feuer gemacht hätten. Da ich Hunger hatte schlug ich vor im Fehn zu gucken, ob es da nicht ein paar Fische gibt. Ich ging also zum Ufer des Fehns und sah durch das glasklare Wasser auf dessen Grund einige Schollen schwimmen. Und hier war die Stelle im Traum, an der ich erstmal darauf klarkommen musste, dass Schollen in Fehnkanälen lebten. Es wurde allerdings noch besser: Da Schollen das mit der Evolution ein bisschen zu ernst genommen hatten, haben sie bekanntermaßen beide Augen auf einer Körperseite. Den Kopf können sie auch nicht drehen. Ziemlich unklug. Die Gemeine Fehnscholle hatte es allerdings noch weiter übertrieben und schwamm mit den Augen nach unten (!). Ich konnte also, nachdem mir das aufgefallen war und ich ein zweites Mal ins Stocken kam, bequem mit meinem Taschenmesser auf den Fehngrund tauchen und mir ein paar Schollen pflücken. Ob ich sie danach gegessen habe weiß ich nicht mehr. Danach erinnere ich mich nur noch, dass meine Eltern nach Japan auswandern mussten und jetzt in einem ätzend kleinen und recht dunklen Haus wohnen mussten. Und sie haben all ihr Zeugs mitgenommen, selbst den riesigen dunkelbraun gestrichenen Bücherschrank im Gelsenkirchener Barock-Stil, der jetzt mitten im Wohnzimmer stehen musste. Link - 0 Kommentare - Kommentieren Montag, 14. Dezember 2009
Was ich WIRKLICH hasse, Teil III.
DocDee - 14.12.09, 18:40h - ick hab hass
07. Menschen mit göttlicher Menschenkenntnis
"Ach, so eine bist du also." So eine was? Wieso denken sich Menschen, dass sie anhand von drei gesagten Sätzen daraufschließen können was ich mache, tue und denke? Dieser Punkt liegt nahe an Hasspunkt Nr. 2. 08. Profilneurotische Pseudokünstler Es gibt Leute, die können kein Bild malen ohne die Fresse zu halten. Überall müssen sie ihre Leinwand vorzeigen, ihre Skulptur anpreisen und die Tiefgündigkeit ihres Werkes verkaufen. "Hier habe ich einen Hundehaufen photographiert und damit meine schwere Kindheit verarbeitet, total Tiefgründung. Ich bin genau wie Van Gogh, mit dem identifizier ich mich total. Klar, Das Nachtcafé von ihm hab ich natürlich auch in meinem Zimmer hängen, das ist so ein romantisches Bild." 09. Wenn ich nicht weiß, wo ich GENAU hin muss "Komm mal um 8 Uhr zu H., der wohnt in der Strasse neben der Sparkasse dahinten bei dem Blumenladen. Nr. 32.", hieß es in der SMS. Ich hasse solche Ortsangaben. Eine präzise Adresse inklusive Hausnummer. Und was viele, vor allem in Studentenkreisen, gerne vergessen: Der Nachname. Freunde von Freunden kenne ich meistens nur beim Vornamen. Bei mir selbst sage ich immer „unterste Klingel“, weil mein Nachname gar nicht auf der Klingel steht. Dort stehen zwei Namen, beide falsch geschrieben. Aber ich weiß nicht in welcher Art falsch. 10. Menschen, die denken das Internet sei nur so ne Modeerscheinung Seit acht Jahren halte ich mich jetzt in diesem merkwürdigen Ding namens Internet auf. Und seit acht Jahren sagt man mir ich sei ein Nerd, weil ich blogge, twittere, Bilder hochlade und vor allem weiß wo ich alles im Internet finden kann. Der Großteil meines Freundeskreises hat vielleicht eine StudiVZ-Seite, eine ICQ-Nummer und hat von Twitter schon mal was gehört. Da hörts dann aber auch auf. Und ich als Nerd soll dann alles richten, wenn was falsch läuft. Es soll sie ja niemand zwingen, die Freunde, aber dank des Internets ist das Leben durchaus interessanter und einfacher. Da gibt es Musik, Busfahrpläne, Öffnungszeiten, Campuskataloge, Restaurantkarten inkl. Preis, Wohnungen und vor allem auch ziemlich viel Wissen. Und auch ziemlich viel Unfug, falls mal Langeweile aufkommt. Link - 0 Kommentare - Kommentieren Sonntag, 6. Dezember 2009
Dingdingding!
Ich habe heute Namenstag.
Link - 0 Kommentare - Kommentieren Dienstag, 27. Oktober 2009
Der Kreis der Wissenden wächst.
DocDee - 27.10.09, 19:00h - die sache mit den messern
Ich saß hier gerade so herum, als ich aus einmal aus der Küche meinen Namen hörte. "Was?", rief ich zurück. Die Freundin meines Mitbewohners frohlockte: "MESSER!"
Zunächst dachte ich sie suche irgendein Messer, aber dann folgte sogleich: "Bei Galileo gehts heute wieder um Messer!" Seit ganzen drei Monaten ging es bei Galileo nicht mehr um Messer. Ich war schon schockiert, sogar richtig enttäuscht. Allerdings stellte ich mir auch die Frage, ob ich vielleicht einfach die Messersendungen verpasst habe. Wenn, dann wäre das ein großer Zufall, da ich eigentlich eher selten Galileo gucke und normalerweise trotzdem ständig mit diesem leidigen Thema konfrontiert werde. Link - 0 Kommentare - Kommentieren Montag, 19. Oktober 2009
Der Rand des Universum.
DocDee - 19.10.09, 20:43h - sinnlosigkeit
Als ich sehr jung war fragte ich eines Tages meinen Vater, wo das Universum aufhört. Er überlegte und sagte: "Irgendwo ganz weit weg, denke ich." Und ich fragte weiter: "Und was ist dahinter?" Er: "Da ist es weiß." Ich: "Komplett weiß?" Er: "Ja." Ich: "Und danach?" Er: "Dann kommt wieder ein Universum." Und so stelle ich mir noch heute immer wieder, wenn ich zufällig über den Rand des Universums nachdenke vor, wie ich mit meinen Eltern in einer völlig weißen Umgebung an einer Backsteinmauer stehe und mir das dahinterliegende andere Universum angucke.
(Allerdings überschneidet sich diese Vorstellung auch ein wenig mit der visuellen Vorstellung, die ich von der Elefantenwelt aus der psychadelischen Folge "Benjamin Blümchen träumt" habe.) Link - 0 Kommentare - Kommentieren Donnerstag, 8. Oktober 2009
Warum ich gerne weine.
Ich habe das letzte Mal vor 10 Jahren in der Öffentlichkeit geweint. Das war in der fünften oder sechsten Klasse, ich kann mich noch daran erinnern, als wäre es gestern. Wir schauten uns mit allen Klassen irgend so ein Antigewalt-Theaterstück an, in der Aula. Bevor wir unseren Klassenraum verließen, sagte unsere schreckliche Klassenlehrerin, dass wir absolutes Redeverbot hätten, sobald wir auf unseren Plätzen säßen. Leider Gottes saß ich aber zufällig vor meinem damals besten Freund, der etwa einen Kopf kleiner war als ich. Er beschwerte sich, dass er nichts sehen könne, ich sagte, dass ich nichts dafür kann. Wir diskutierten, ich bot ihm an, dass wir die Plätze tauschen könnten, schließlich war er mein bester Freund und ich wollte das Stück sowieso nicht sehen. Genau in dieser Diskussion fing das Intro des Stückes an und unsere schreckliche Klassenlehrerin kam zu uns. Nein, besser: Zu mir. Sie tadelte mich, drohte mir irgendwas an und ich musste mich direkt an den Gang neben sie setzen. Ich habe von dem Stück nichts mitbekommen, da ich so sehr in meinen Hass auf meine schreckliche Klassenlehrerin vertieft war.
Das Stück ging zu Ende und wir verließen die Aula und gingen wieder in unseren Klassenraum. Ich wusste, dass mir jetzt eine Standpauke vor der ganzen Klasse bevorstand, aber die vorherige Tadelung vor meiner ganzen Klasse und einem Teil der ganzen Schule saß mir so tief im Mark, dass ich beim ersten Wort meiner Klassenlehrerin anfing zu weinen. Ich fühlte mich noch niemals in meinem Leben so ungerecht behandelt. Eigentlich wollte ich doch nur jemand anderem was Gutes tun, aber dafür wurde ich bestraft. Einige Klassenkameradinnen, bei denen ich ab und zu mal zu Besuch war, aber mit denen ich nie richtig befreundet war, versuchten mich zu trösten. Ich fand diese Tröstung so absolut falsch, dass ich noch mehr weinen musste. Mein bester Freund sagte, das sei alles nicht so schlimm, Augen zu und durch. Aber ich fand alles scheiße. Meine Klassenlehrerin, meine Klassenkameraden, meine Schule. Der Tag ging vorbei. Vielleicht beschloss ich an diesem Tag nicht mehr in der Öffentlichkeit zu heulen. Vor meiner Familie weinte ich bis zum Ende meiner Pubertät desöfteren, danach auch nicht mehr. Weil ich keinen Grund mehr hatte. Gott sei Dank. Ich merkte irgendwann, dass Weinen für mich ein persönlicher Vorgang ist. Ein Vorgang, bei dem ich mich ganz auf mich selbst konzentriere und niemand anderes teilhaben soll. Ich will nicht, dass irgendjemand den Grund meiner Tränen herausfindet. Nicht, weil ich mich für diesen Grund schäme, sondern weil ich mich nicht erklären will. Ich weine so oft bei Filmen, dass ich neben meiner Konzentrationsschwäche auch aufgrund meines Hanges zum Weinen bei tollen Bildern und großartiger Musik sehr selten ins Kino gehe. Auch Filmabende mit Freunden verschmähe ich aus demselben Grund. Lieber gucke ich Filme allein, damit ich dabei hemmungslos weinen kann. Als meine Katze starb, dachte ich, dass mich das nur so halbwegs traf, bis ich eines Tages beim Anblick eines Katzenbildes einen ganzen Abend lang im Bett lag und richtig heulte. Neulich saß ich in der S-Bahn und sah an einem Bahnhof ein Plakat, auf dem zwei Orang-Utans abgebildet waren, die sich umarmten. Ich musste beinahe weinen. Einen Tag später fuhr ich am selben Plakat vorbei und guckte es nur wie alle anderen Plakate an. Wiederum ein paar Tage später musste ich wieder fast weinen. Ich kann mich eben nicht erklären und ich will es nicht. Ein anderer schöner Moment war, als wir in diesem Sommer an vier Tagen vor insgesamt 2000 Menschen unser Theaterstück aufführten. Meine Rolle war klein, ich hatte insgesamt drei Sätze, meine Auftritte in einer Sprechrolle (Lady Montague) und einer Komparsenrolle (Ballgast) waren insgesamt zehn Minuten lang. Nach der letzten Aufführung feierten wir ausgiebig, gingen danach noch mit den Übriggebliebenen in eine Kneipe, der Visagist fuhr mich nach hause, ich stieg mit einem freudetrunkenen Lächeln aus dem Auto, schloss die Haustür meiner Eltern auf, zog mich um, putzte mir die Zähne, grinste dabei in den Spiegel, ging in meine Zimmer, legte mich ins Bett und plötzlich wurde mir klar, dass alles vorbei war. Dieses Gefühl des Zusammenhalts des Ensembles; die Insider-Witze; dieser Zufall der letzten Aufführung, als es dann doch noch regnete, aber genau in dem Moment, als die Scheinwerfer ausgingen; die kurzen Anspielungen, wenn man sich traf und in seine Rolle fiel: Alles war vorbei. Ich weinte eine halbe Stunde aus tiefstem Herzen. "Die meiste Zeit bin ich zu bewusst, um traurig zu sein." Link - 0 Kommentare - Kommentieren Donnerstag, 1. Oktober 2009
Düdüdüüdü, düdüdüüüdü - düdüdüüdü düdüdüüüdü.
DocDee - 01.10.09, 02:15h - sinnlosigkeit
Genau diese "Textzeile" quält S. und mich seit knapp 24h.
Normalerweise ist es ja so, dass man einen Ohrwurm von einem Lied hat, zu dem man zumindest eine Zeile kennt. Aber heute morgen sagte die hier nächtigende S.: „Dübdüb düdü düb düdüü, ich hab 'n Ohrwurm von Pink – Funhouse." Leider Gottes viel mir darauf hin nur dieses eine Lied ein, in dem die Sängerin beginnt mit: "Düdüdüüdü, düdüdüüüdü - düdüdüüdü düdüdüüüdü." Und da war es geschehen. Jede halbe Stunde fiel mir diesese Gedüdüe wieder ein, ich wusste keine weitere Textzeile und auch nicht, von wem es ist. Nachdem wir uns öfter mal angedüdüüt hatten, fragte ich S. von wem dieses Lied eigentlich sei. Wir wussten beide keine Antwort. Aber irgendwie hatten wir die 90er im Verdacht an dieser eintägigen Misere unseres Lebens Schuld zu sein. Wir standen auf, düdüdüüdü, düdüdüüüdü - düdüdüüdü düdüdüüüdü, wir hingen rum, düdüdüüdü, düdüdüüüdü - düdüdüüdü düdüdüüüdü, wir gingen einkaufen, düdüdüüdü, düdüdüüüdü - düdüdüüdü düdüdüüüdü, wir hingen weiter rum, düdüdüüdü, düdüdüüüdü - düdüdüüdü düdüdüüüdü. Bis ich den Soundmaster Herrn P. fragte: "Hier, kennst du dich Okay, kein Klassiker. Weder vom Inhalt noch vom Text her episch, aber dieses eingänge düdüdüüdü, düdüdüüüdü - düdüdüüdü düdüdüüüdü. Und weils so schön ist hier einige Lieder, von denen man auch einen düdüdü-Ohrwurm haben kann, aber nicht muss: Iron Butterfly – In a gadda da vida (Dazu auch mal betrunken hier) Barcode Brothers – Dooh dooh Eric Burdon and The Animals – San Fransiscan Nights DJ Koze f. Station 17 - Lila Pause Last, but definitely not least (Mother of düdüdü-Songs!): Scooter – Maria (I like it loud) Link - 0 Kommentare - Kommentieren Montag, 7. September 2009
Mein zweites Semester.
Oder: Wie ich mich ein halbes Jahr so fühlte, als ob ich in einem Deutschen Film auf Stütze lebte (nur ohne Feinripphemd, aber mit Jogginghose)
Das war es also, mein zweites Semester. Es fing ja noch ganz gut an, damals Anfang April. Ich war motiviert und freute mich auf neue Kurse, neues Wissen. Aber nachdem ich schon beim Zusammenstellen des Stundenplans feststellte, dass ich mit allem Drehen und Wenden nicht über 12 Semesterwochenstunden kam (Im Stundenjargon cool abgekürzt mit SWS), dämmerte es mir langsam, das hier irgendwas nicht okay ist. Kunstgeschichte mochte ich; ich machte allerdings Dinge, die so langweilig waren wie mein Deutsch-LK oder die so uninteressant waren, dass ich nur alle zwei Wochen hinging und mir von meinen Kommilitonen die Unterschrift für die beschissene Anwesenheitsliste fälschen ließ. Philosophie war in meiner Sympathie so weit gesunken, dass ich nur eine Veranstaltung besuchte. Und diese nach zwei Wochen wieder abwählte. Philosophie ist großartig, aber nicht, wenn man sich nicht vorher über das Profil der Uni informiert hat und jetzt mathematische Philosophie machte. Logik! Irgendwann im Mai fiel mir dann auf, dass hier irgendwas falsch läuft. Zuerst dachte ich, dass es an meiner Einstellung liegt. Aber nachdem ich nach und nach all meine Kurse abwählte, stellte sich mir die Frage, ob ich überhaupt das Richtige studiere. Ich dachte nach. Nicht sehr lange. Und auf diese sehr kurze Zeit des Nachdenkens über meine Studienfächer folgte ein sehr schmerzhaftes Hauen mit der Flachen Hand gegen die Stirn. Was wollte ich seit ungefähr zehn Jahren studieren? Worauf habe ich mich vor vielen Jahren so gefreut? Warum habe ich früher überhaupt Abi machen wollen? Wovon handelten die meisten Sachbücher (außer den Vogelbüchern), die ich besaß? Archäologie! Ich musste allein eine Woche damit verbringen laut fluchend durch meine Wohnung zu laufen und mir an den Kopf zu schlagen. Warum habe ich da nicht schon vor einem Jahr drüber nachgedacht?! Archäologie. Die geilere und spannendere Variante von Kunstgeschichte. Zulassungsfrei! In Zwei-Fächer-Bachelor-Ausführung an allen größeren Unis erhältlich: Klassische + vor- und frühgeschichtliche Archäologie. Archäologie! Gottverdammt. Wie hab ich mir jahrelang Bücher über antike Kulturen reingezogen und konnte nicht aufhören damit. Nachdem ich die nächsten drei bis vier Woche damit verbracht habe mich in merkwürdiger Euphorie zu wundern, warum ich es gerade in dem Jahr meines Abiturs vergessen habe über Archäologie nachzudenken, guckte ich mich nach Universitäten um, die diesen Studiengang anbieten. Münster? Oder vielleicht Hamburg? Ich beschloss mich an beiden zu bewerben und mich in diesem Semester vollständig auf meine Sprachenkenntnisse zu konzentrieren. Weil ich seit einigen Jahren gerne Französisch lernen wollte, habe ich den A1-Kurs des GER (Gemeinsame Europäische Referenzrahmen für Sprachen) belegt. Nach zwei - drei weiteren Wochen im Semester war dies der einzige Kurs, den ich noch besuchte. Dienstags von 18.30 bis 20.00 und mittwochs von 14.00 bis 15.30. Mein Leben verlief von nun an entspannt. Ich stand auf, wenn ich aufstehen wollte. Wenn ich etwas für die Uni tat, dann putzte ich meistens und beschrieb dabei gedanklich entweder den Weg von meiner Wohnung zur Uni oder meine Familie auf Französisch. Ich lernte in dieser Zeit Bier zu exen, was ich vorher als unmöglich erachtete. Ich malte sehr viel und wurde nicht nur von den Dämpfen des Lösungsmittels breit. Ich entdeckte, dass M.s Fruchtbowlen Werke des Teufels waren und man nach dem Genuss jener mindestens neun Stunden schlafen musste. Auch meine Alltagsrituale änderten sich: Ich bin in diesem halben Jahr keinem einzigen Verkehrsmittel hinterher gerannt, weil ich eh genug Zeit hatte. Wenn ich zu meinen Eltern fuhr, wie so oft in dieser Zeit, dann fuhr mein Zug um 13 Minuten vor der nächsten Stunde. Ich schaute von meinem Fenster aus mit dem Fernglas auf den Busfahrplan und machte mich gemächlich, meist vorher eine rauchend, auf den Weg dorthin. Am Bahnhof kam ich trotz provozierter Langsamkeit erst eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges an, so dass ich mir immer einen Kaffee und eine taz kaufen konnte und am Bahnsteig noch eine rauchte. Ich entwickelte Rituale fürs Zu-viel-Zeit-Haben. Nach dem Duschen trocknete ich mich nie ab, sondern zog nur meinen Bademantel an und wartete irgendwo in meiner Wohnung darauf, dass ich trocken wurde. Beim Weckerklingen stand ich nie sofort auf, sondern blieb noch mindestens eine Stunde im Bett liegen. Dadurch veränderte sich auch mein Tagesrhythmus. Im ersten Semester war ich so stolz auf mich, weil ich meistens um 2.30 ins Bett ging und um 9.00 aufstand. Ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben Zeit zu Frühstücken. Im zweiten Semester warf ich diesen perfekten Schlafrhythmus wieder über Bord und ging dann ins Bett, wenn ich Lust darauf hatte. So bekam ich nur äußerst selten die Zeit zwischen 6 Uhr morgens und 12 Uhr mittags mit. Nachdem ich in meiner Nachmabiphase alle Simpsonsfolgen durchschaute, guckte ich nun alle guten Serien, auf die ich Lust hatte, zum Beispiel Dexter, Malcolm Mittendrin und How I Met Your Mother. Durch meinen beinahe wöchentlichen Leer-Aufenthalt traf ich mich desöfteren mit Mo. sonntags im Mulligans auf ein paar Kristallweizen mit Zitrone. Anfang Juni beschloss ich niemandem von meinem bevorstehenden 21. Geburtstag zu erzählen und erlebte daraufhin die entspannteste und tollste Geburtstagsfeier meines Lebens: S. war zufällig in Osnabrück, am Nachmittag waren wir im Zoo, Abends trank ich Bier unter der Dusche, gegen Mitternacht gratulierten mir ca. 3 Leute inklusive S. Das sind Momente, in denen man beschließt nie wieder von seinem Geburtstag zu reden. Einen Monat später war ich mir eigentlich schon sicher, dass ich nach Hamburg ziehen möchte und ich fing damit an mir ein WG-Zimmer zu suchen. Das war gar nicht so einfach, schließlich war ich „Osnabrücker Wohnungsmarkt im Juni“-verwöhnt; ich erhielt meine großartige Wohnung innerhalb von 30min auf dem ersten Besichtigungstermin. Ab Mitte Juli wurde es stressig und es hörte irgendwie nicht mehr auf. Ich bestand meine Französischprüfungen überraschend mit 1.7, obwohl ich jahrelang davon überzeugt war kein Gefühl für Sprachen zu haben; ich fuhr von Prüfungen und Wohnungsbesichtigungsterminen ausgelaugt zum KJO Sommerlager, verbrachte danach erneut eine Woche auf Jo.s Sofa in Jo.s und S.s WG in Hamburg und war danach mit S. wandern in der Eifel – Großartige Sache, erzähle ich bei Gelegenheit auch noch mal. Im Schnitt verbrachte ich zwischen Mitte Juli und jetzt vier Tage am gleichen Ort. Irgendwann bekam ich eine SMS, in der mich ein Mitbewohnersuchender fragte, ob ich nicht noch Interesse hätte dort einzuziehen. Ich sagte sofort zu. Knapp halb so groß wie meine alte Wohnung, gleich teuer, in der Dusche wohnt der Schimmel, es gibt eine Nachtspeicherheizung, aber hey! Hamburg Bahrenfeld, 4km bis zur Sternschanze, in 5min kann ich zu Fuß drei verschiedene Supermärkte, eine 24h-Tankstelle, die Haspa und die Bushaltestelle erreichen. 15 Minuten bis zum Dammtor (Uni), 20 Minuten bis zum Hauptbahnhof. Fjen, Alter. So wurde ich vor einer Woche die Mitbewohnerin von O. Der ist auch 21, trinkt gerne Bier und als Kacklektüre gibt es auf dem Klo die Bravo Girl. Nachdem ich drei Tage dort wohnte, beschlossen O., seine Freundin und ich einen Hannah Montana-Schrein in der Wohnküche zu bauen. Es wird viel Asifernsehen geguckt, der Ofen ist dreckig, O. freute sich mehr über die Kaffee- als die Waschmaschine, welche ich beide mitbrachte, und am ersten Abend spielten wir bis 4 Uhr morgens Saufspiele. Ich fühle mich wohl. Link - 2 Kommentare - Kommentieren Mittwoch, 26. August 2009
Aussortieren macht Spaß.
Eigentlich nur, weil man irgendwelche witzigen Dinge wiederfindet. Zum Beispiel mein Dossier, welches ich zu einem Kunstbild vor zwei Jahren im Leistungskurs schreiben musste. Da heisst es im Abschnitt über die Werksentwicklung:
"Gestern Abend hab ich mit Hilfe eines Tapeziertisches, einem Mikrowellenkarton und diesen Plastikboxen, in denen Mütter immer Lego und 'Sachen, die du gebrauchen kannst, wenn du ausziehst' usw. lagern, Fotos gemacht. […]. Ich lag unter einem Wischmob, der an der Wand hing, auf dem Kellerfußboden und photographierte. Später habe ich mit Selbstauslöser und einer aus Dübeln bestehenden Kamerahalterung Fotos von mir gemacht, wie ich am Tapeziertisch stehe und blöd gucke. […]. Ich bin genervt von dem selbst auferlegten Zeitdruck und vor allem von der Unvollständigkeit der vier Figuren im Hintergrund. Die vier Witzfiguren, haha." Und die Findung der Idee beschrieb ich mit: "Ich entwickelte nach zwei Wochen Nichtstun innerhalb von drei Minuten eine Idee, die mich sofort begeisterte. Ich sah das fertige Bild schon vor mir, bevor ich den ersten Strich für die Skizze machte. Ich sah die Farbe, wusste genau welchen Farbton ich brauchte; sah die Linien, Achsen, Formen; wusste, was ich wie malen musste. […] Danach legte ich die Skizzen zur Seite und machte erstmal zwei Wochen wieder nichts." Das Beste ist allerdings das Fazit. Ich musste den Bericht am nächsten Tag abgeben und hatte keine Lust mehr, da ich das komplette Dossier schon an einem Tag schrieb. Der Text war langweilig, also nutzte ich die Synonym-Funktion von Word und hatte meinen Spaß: "[…]. Zwar hätte ich die Arbeiter denkbar genauer gestalten sollen, aber als mich das Bild mit 'So, fertig' grüßte, wusste ich gar nicht mehr, was ich noch verändern soll. Während der Erzeugung habe ich oft keine Lust mehr gehabt und das Bild arglos liegen gelassen. Zwischenzeitlich ergriff mich Grausen und ich habe gemalt. Danach war ich immerzu verblüfft, dass es mir doch so flott gelang Farbe auf die Leinwand aufzutischen. Mein Konzept behagt mir überaus gut, nachdem ich es endlich aufspürte. Es war keineswegs nur gut umzusetzen, sondern dazu ebenso kompositorisch segensreich. […]. Ölfarbe hat den großen Vorteil nicht so schnell zu trocknen. Während man malt, kann man ruhig mal Kaffee kosten gehen. Das mag ich. Das Auswaschen der Malgeräte ist auch kein großes Problem, wenn man Seife besitzt. Abschließend kann ich bekannt geben, dass mir das Malen am Bild Entzücken bereitet hat." Die Note weiß ich allerdings nicht mehr so genau. Ich glaube fürs Dossier bekam ich 9 oder 10 Punkte. Link - 1 Kommentar - Kommentieren Sonntag, 23. August 2009
Wie ich in 1000m Höhe mit einem Eisbären kämpfte.
Vor einiger Zeit träumte ich, dass ich mit einem spitzen Naturfilmer und -photograph unterwegs war. Das war sowas wie ein Praktikum. Meine Aufgabe bestand darin, dass ich einen Eisbären filmen sollte. Im Gebirge.
Der Eisbär wohnte in einer Höhle im Fels. Diese Höhle konnte man nur von der Hangseite des Gebirges einsehen. Der Hang war eher ein 1000m tiefer Abgrund. Direkt vor der Höhle befand sich ein ca. 10cm großer Vorprung, an dem eine horizontale Eisplatte von 2cm Stärke dran hing. Man konnte auf der Platte bequem stehen und auf Augenhöhe durch einen Spalt im Fels in die Höhle schauen. Da stand ich dann und filmte in die Höhle. Der blöde Eisbär sah mich aber und griff mich an. Ich machte super Aufnahmen, zog meinen Arm aber ein bisschen zu spät zurück und wurde gekratzt. Nun saß ich da auf einer dünnen Eisplatte an einem Abgrund eines Gebirges mit einem wütenden Eisbären. Und erst da wurde mir die Sinnlosigkeit dieser Situation bewusst. Link - 0 Kommentare - Kommentieren Next page |
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